Wie lassen sich Mitarbeiter eines Unternehmens individuell portraitieren und gleichzeitig in einer gemeinsamen, unverwechselbaren Bildsprache zusammenführen?
Diese Frage stand am Anfang der Portraitserie „The State of Art“ für Brillen Hammer in Landau. Statt klassischer Mitarbeiterportraits sollte eine Bildwelt entstehen, die Persönlichkeit, Unternehmensidentität und eine bewusst eigenständige fotografische Ästhetik miteinander verbindet.
Ausgangspunkt war deshalb nicht die einzelne Aufnahme, sondern die Entwicklung eines übergeordneten visuellen Konzepts.
Das Polaroid SX-70 als gestalterische Inspiration.
Als Leitidee diente die charakteristische Ästhetik des Polaroid SX-70. Die besondere Farbigkeit des Sofortbildmaterials, seine weichen Übergänge, Unregelmäßigkeiten und zufälligen Artefakte verleihen jedem Bild einen individuellen Charakter.
Gerade diese Abweichungen von fotografischer Perfektion waren für die Konzeption interessant. Sie stehen im Gegensatz zur technisch makellosen digitalen Fotografie und vermitteln eine unmittelbarere, beinahe haptische Bildwirkung.
Diese visuelle Anmutung bildete vielmehr den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer eigenen Bildsprache, in der analoge Bildästhetik und digitale Gestaltung miteinander verbunden werden.
Portraitfotografie als Inszenierung.
Die Mitarbeiter wurden vor Ort portraitiert. Lichtführung, Haltung, Ausdruck und Bildausschnitt wurden bewusst aufeinander abgestimmt, ohne den individuellen Charakter der jeweiligen Person einem starren Schema unterzuordnen.
Die Herausforderung bestand darin, zwei Ebenen miteinander zu verbinden: Jedes Portrait sollte für sich stehen und Persönlichkeit vermitteln – gleichzeitig sollten alle Aufnahmen als Teile einer zusammengehörenden Serie erkennbar sein.
So entstand eine Balance zwischen Individualität und wiederkehrender formaler Gestaltung.
„Fotografie nach der Fotografie“.
Mit der Aufnahme war der fotografische Prozess für mich nicht abgeschlossen.
In der anschließenden Postproduktion stellte ich die Portraits frei und definierte die Aufnahmen hinsichtlich Farbigkeit, Kontrast und Tonwerten. Eigene Hintergründe, Farbflächen, Lichtverläufe und bewusst eingesetzte Unregelmäßigkeiten wurden Bestandteil der endgültigen Komposition.
Ich verstehe diesen Prozess als „Fotografie nach der Fotografie“: Die ursprüngliche Aufnahme bildet das Ausgangsmaterial, aus dem durch weitere gestalterische Entscheidungen das endgültige Bild entsteht.
Die digitale Nachbearbeitung dient somit als fotografisches Gestaltungsmittel.
Von der Einzelaufnahme zur Bildserie.
Wiederkehrende Gestaltungselemente, eine aufeinander abgestimmte Farbwelt und die charakteristische Polaroid-Anmutung schaffen einen gemeinsamen visuellen Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens behält jedes Portrait seine Individualität.
Erst im Zusammenspiel der einzelnen Fotografien wird die übergeordnete Idee der Serie sichtbar.
„The State of Art“.
Der Titel beschreibt die Verbindung von fotografischer Tradition und zeitgenössischer Bildgestaltung.
Die Ästhetik des analogen Sofortbildes trifft auf digitale Fotografie und Postproduktion. Dokumentarische Elemente verbinden sich mit Inszenierung, fotografische Aufnahme mit nachträglicher Bildgestaltung.
Das Ergebnis ist eine eigenständig entwickelte visuelle Interpretation der Menschen, die ein Unternehmen prägen.
Konzeption, Fotografie und Postproduktion: Christian Bullinger
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